Produktbeschreibung David Philip Hefti: Sator für Klarinette und Orchester. Valentin Wandeler (Klarinette), Stefan Tönz (Violine), Philippe Racine (Flöte), Oliver Schnyder (Klavier), Matthias Würsch (Schlagzeug), Zürcher Kammerensemble, Mitglieder des Collegium Novum Zürich. Leitung: Philip Hefti. Das Konzert für Klarinette und Orchester "SATOR" wurde 2002 im Auftrag des Zürcher Kammerensembles geschrieben und ist dem Solisten Valentin Wandeler gewidmet. Es ist die erste Komposition meines 5-teiligen SATOR-Zyklus'. Diese fünf Kompositionen werden durch das gemeinsame Tonmaterial vereint, das aus dem SATOR-Quadrat abgeleitet wurde und den Werken als Keimzelle dient, aus der sich alle Parameter der Musik und die formalen Strukturen entwickeln. In dieser Komposition hat das Orchester begleitende Funktion; der Solist spielt (fast) immer die Hauptstimme und soll sich vom Orchester deutlich absetzen. Dieses Werk ist also nicht als Komposition für Orchester mit obligater Klarinette (wie sie heute häufig geschrieben werden), sondern eben als Klarinetten-Konzert im "klassischen" Wortsinne zu verstehen. Dies wird z.B. dadurch verdeutlicht, dass das Orchester "konventionell" komponiert ist, ganz im Gegensatz zur Solo-Stimme, die sich vieler zeitgenössischer Spieltechniken bedient. Es folgen einige Erläuterungen zu den vier Sätzen: I. Prolog In der Einleitung wird das komplette Tonmaterial des gesamten Klarinetten-Konzertes vorgestellt: Alle Motive, Rhythmen und Harmonien werden aus diesen Einleitungstakten entfaltet. Der Anfang dieses Konzertes ist zugleich der lauteste Teil der ganzen Komposition, der sich aber kontinuierlich bis zum Einsatz der Solo-Klarinette abbaut (sowohl Dynamik als auch Tempo). Sie folgt einer sich frei entwickelnden Linie, die vom Orchester mehrmals unterbrochen wird, bis sich die Solo-Klarinette nach drei Takten der Entspannung (Ruhe vor dem Sturm) mit wilden Passagen gegen das Orchester auflehnt. Dieser Abschnitt der gegenseitigen Aufpeitschung führt in einen sehr ruhigen Teil, der in der Solo-Stimme von Mehrklängen, begleitet von verschiedenen Becken und vier solistischen Streichern, geprägt ist. Eine kurze Überleitung führt in den versöhnlichen Schluss des Kopfsatzes. II. Toccata Der Begriff "Toccata" wird für Musik (für Tasteninstrumente) verwendet, die oft sehr virtuos und bisweilen fugiert ist. Im ersten Abschnitt dieses Satzes bilden die Streicher einen nervösen (Toccata-)Teppich für die äusserst virtuose Tremolo-Melodie der Solo-Stimme. Auch hier werden Tempo und Intensität kontinuierlich abgebaut und leiten über in eine dreistimmige ruhige Fuge, die aus meinem Stück DEDICATIO ß (für Wolfgang Rihm, 2002) stammt. Nach wenigen Takten wird die Entspannung von den Streichern unterbrochen. Sie leiten in einen Choral der Blechbläser über, dem ein "Vivace" und ein abschliessendes "Presto" folgen. III. Minuetto (quasi...) Nach dem unruhigen zweiten Satz folgt nun ein... unruhiger dritter Satz! Der erste Teil des "Menuetts" ist zwar ruhig im Charakter und wird von den Liegetönen in den Streichern auch dementsprechend untermalt, doch die Bläser und Schlagzeuger sorgen für Vibrationen. Im B-Teil steht der espressiven Melodie ein motorisches Orchester gegenüber. Das "Trio" dieses dreiteiligen Satzes besteht aus einem grossangelegten Accelerando. Der Solo-Part wird durch Glissandi und Vierteltöne bereichert. IV. Epilog Der Solist wechselt nun von der Klarinette auf das "Jenseits-Instrument", das Bassetthorn. Nach diesen Passagen mit Mikrointervallen (im dritten Satz) soll das Ohr wiederum mit "reiner" Musik geeicht werden: Die Einleitung des Epilogs bildet das h-moll-Präludium (WK 1) von Johann Sebastian Bach, als Klangfarbenmelodie für Orchester gesetzt. Das Präludium wird mehr und mehr von einem 12-Ton-Akkord überdeckt und verschwindet schliesslich ganz. Wiederum folgt der Solist - diesmal mit dem Bassetthorn - einer sich frei entwickelnden Linie, die aus grossen Intervallen und rauschenden Skalen besteht. Danach folgen drei Abschnitte, die alle durch ein sequenzierendes Zwischenspiel (diesmal aus Bachs h-moll-Fuge WK 1) voneinander getrennt werden. Diese drei Passagen sind als Reminiszenz an die drei vorhergehenden Sätze zu hören. Ein kurzer Abgesang führt in die sich auflösende Endlos-Sequenz eines Streichtrios, über welche die Schluss-Kadenz des Solo-Bassetthorns (zeitlich autonom) gespielt wird. Am Ende bohrt sich alles unaufhaltsam in die Tiefe - stirbt ab - ist - ausgelöscht... David Philip Hefti Künstlerbiographie David Philip Hefti (*1975), Komponist & Dirigent, Gewinner des George Enescu Wettbewerbes, absolvierte Studien der Musik in Komposition, Dirigieren, Klarinette und Kammermusik an den Musikhochschulen in Winterthur, Zürich und Karlsruhe. Zu seinen Professoren und Mentoren gehörten Wolfgang Rihm, Cristóbal Halffter, Wolfgang Meyer, Rudolf Kelterborn und Elmar Schmid. Er trat an den Festivals "Musica de Hoy" in Madrid, EuroArt in Prag, "Beijing Modern", "music today 21" in Tokyo und als "artist in residence" an der internationalen Musikbiennale von São Paulo auf. Konzerte verbinden ihn mit Solisten wie Fabio Di Càsola, Thomas Grossenbacher, Wolfgang Meyer, Sylvia Nopper, Primoz Novsak, Oliver Schnyder, Stefan Tönz und Dirigenten wie Jac van Steen, Krzysztof Penderecki, Miltos Logiadis, Cristóbal Halffter und Howard Griffiths. Heftis Schaffen bringt ihn zusammen mit Orchestern wie der Tokyo Sinfonietta, dem "Orchestra of Colours" Athen, den Augsburger Philharmonikern, dem Sinfonieorchester São Paulo, dem Ensemble Calliopée Paris, dem Collegium Novum Zürich. |