Produktbeschreibung TENET - 4 Lieder für Sopran und Ensemble Die 4 Lieder für Sopran und Ensemble "TENET" wurden 2003 im Auftrag der Stiftung Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr (Schweiz) für das "Ensemble Mentemanuque" (Brasilien) geschrieben und sind Rubens Russomano Ricciardi gewidmet. Es ist die dritte Komposition meines 5-teiligen SATOR-Zyklus'. In den vier Binnensätzen von TENET habe ich vier Gedichte der expressionistischen jüdischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) vertont: Weltende, Versöhnung, Leise sagen - und Weltflucht. Diese Sätze werden von einem Pro- und einem Epilog umrahmt, die je ein Zitat Else Lasker-Schülers enthalten. Dieses Zitat (es ist dasselbe im Pro- wie im Epilog) verwendete sie als Einleitung eines Vortrages, den die Dichterin Mitte März 1939 im Zürcher Zunfthaus "Zur Meise" hielt. In besagtem Zunfthaus kreuzen sich die Biographien der Dichterin und meiner selbst; 1939 hielt sie in Zürich, der ersten Station ihres Exils, einen letzten Vortrag, bevor sie nach Palästina übersiedelte. In den wunderbaren Hallen dieses alten Zunfthauses, das sich ganz in der Nähe meines Wohnhauses befindet, durfte ich schon verschiedene Kammermusikkonzerte geben. Es folgen einige Erläuterungen zu den einzelnen Sätzen: I. Prolog Im kurzen Prolog werden drei der wichtigsten Motive der ganzen Komposition sowie der Hauptrhythmus, der wie ein Leitmotiv alle Sätze prägt, vorgestellt. Die Solo-Sopranistin verwendet in diesem Satz nur ihre Sprechstimme und rezitiert die erwähnte Einleitung des Vortrages Else Lasker-Schülers vom März 1939 in Zürich. II. Weltende Eine Harmoniesequenz, die aus den Buchstaben TENET abgeleitet ist und in der gesamten Komposition immer wieder in Erscheinung tritt, begleitet die expressive Sopranpartie. Die Temporelationen sind in diesem Satz simpel gehalten: einfaches Tempo (Sekundenpuls) sowie doppeltes Tempo. Zudem tritt ein exponiert geführtes Klavier in den Dialog mit der Solistin. III. Versöhnung Dieser Satz beginnt mit kurzatmigen Motiven, die einen vierstimmigen Umkehrungskanon umspielen, der in ein riesiges Glissando mündet. Tanzende Leggiero-Takte und dunkle Momente wechseln sich ab und führen in ein versöhnliches Tranquillo, gefolgt von einer Coda, in der Sprechgesang vorgeschrieben ist. Die Tempi stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes zueinander (84 : 52 : 32). IV. Leise sagen Leise sagen wird von einem Instrumental-Trio eingeleitet: Violine, Klarinette und Klavier führen in ein Meer aus Streicherflageoletten, über das sich der Solo-Sopran melismatisch erhebt (alle anderen Sätze sind syllabisch komponiert). Flöte und Fagott haben eine eigenständige Flageolett-Stimme; alle anderen Instrumente imitieren die Solo-Stimme kanonisch. Nach einer Generalpause folgt der wohl ausdrucksvollste Teil der gesamten Komposition: Warme Harmonien begleiten den lyrischen Sopran, der wiederum kanonisch imitiert und ergänzt wird. V. Weltflucht Weltflucht ist der kontrastreichste Satz der ganzen Komposition. Wilde, laute, schnelle und von Taktwechseln geprägte Passagen wechseln sich mit ruhigen, langsamen und lyrischen Stellen ab. Die Instrumente bedienen sich hier der Luftgeräusche, Slaps, Mehrklänge, perforierter Klänge und anderer Effekte. Lautmalerische Abschnitte führen in ein "Finale furioso", das die Grenzen des Stimmumfangs zu sprengen droht. Die Tempi stehen im Drittelsverhältnis zueinander. VI. Epilog Der Epilog bildet das Pendant zum Prolog. Auch in diesem Satz verwendet die Solo-Sopranistin nur ihre Sprechstimme und nimmt dieselben Worte wie im Prolog wieder auf. Ein letztes Mal zeigen sich die wichtigsten Motive, bevor ein instrumentales Klagelied die Komposition ausblendet. Schattenklang - Adagio für Klavier "Schattenklang - Adagio für Klavier" ist dem Pianisten Oliver Schnyder gewidmet und wurde für dessen China-Tournée vom Mai 2006 komponiert. Die Komposition bezieht sich sehr eng auf Mozarts Adagio in h-moll KV 540, ist sozusagen ein Schatten davon. Der langsame, dunkle und clusterhafte Anfang lässt ab und zu einige helle (Mozart-)Motive durchschimmern, um sie sogleich wieder zu verschlucken. Im Anschluss an die Einleitung begleiten harmonische Sequenzen ein majestätisches Thema, das in ein Zwischenspiel von eisigen Akkorden und einem Akt der Gewalt führt. Ein verlorener Schatten klingt nach. Der folgende Abschnitt, mit "himmlisch und engelshaft" überschrieben, bildet den grösstmöglichen Kontrast dazu. Nach schmerzvollen Takten und pochenden Passagen öffnet sich eine vermeintlich neue und hektische Welt, die aber im Chaos versinkt. Zurück bleibt die Reminiszenz im Wechselbad der Gefühle. Kälte erstickt das Leben. Mondschatten für Violine und Marimba "Mondschatten" wurde 2006 im Auftrag des Duos Cunz/Ott geschrieben und ist der Geigerin Rahel Cunz und der Perkussionistin Jacqueline Ott gewidmet. Nach den eröffnenden Klopfsignalen folgt das Marimba verschiedenen Bruchstücken einer sich entwickelnden Linie, aus deren Schatten sich die Violine emanzipiert. Die Komposition beginnt drei Mal, ehe die Musik in einen expressiven Kontrapunkt fortschreiten kann. Ein ungebändigter Tanz bildet den Ausgangspunkt eines kontinuierlichen Aufbaus an Virtuosität, Dynamik und Aggressivität. Schreie der Verzweiflung. Versöhnung. Reminiszenz. Elegie - Lamentation. Kontemplation. O, star! II - Mosaik für Saxophon solo "O, star! II" wurde 2004 für den Saxophonisten Lars Mlekusch geschrieben. Es ist die erste Komposition meines 5-teiligen Mosaik-Zyklus'. Das vorliegende Mosaik für Saxophon solo entstand während der Arbeit an meinem 5-teiligen SATOR-Zyklus. Der Titel lässt eine Anrufung an einen Stern (oder einen Star?) vermuten, ist aber lediglich ein Anagramm des Titels meines Konzertes für Klarinette und Orchester, "SATOR". In "O, star! II" werden ganze Passagen aus "SATOR" neu komponierten Motiven gegenübergestellt und ergeben so ein farbiges Mosaik. Grosse Kontraste bilden ein Wesensmerkmal dieser expressiven Musik. Das Solo-Stück kann formal grob gesehen in drei Teile mit Einleitung und Coda eingeteilt werden: Eine lyrische Introduktion führt in ein wildes, grelles und lautes Vivace mit Presto, gefolgt von einem Vierteltontriller, der in den Hauptteil der Komposition überleitet. Dort wechseln sich zeitlich freie Passagen und streng organisierte Takte kontrastreich ab. Eine virtuose Klimax beschneidet diesen Teil abrupt und gibt dem ruhigen dritten Abschnitt dieser Komposition Raum, wo Klangfarbenwechsel, Klangfarbentriller und Mehrklänge vorherrschen. Eine sich frei entwickelnde Linie führt ans Ende dieser Komposition. Miroirs für Violine und Klavier Die freitonale Komposition "Miroirs" wurde 1998 für ein Musik-Pädagogik-Seminar in Zürich komponiert, weshalb dieses Stück sowohl für die Konzertbühne als auch für den Unterricht geeignet ist. Die einsätzige und durchwegs ruhige Komposition ist in der Bar-Form (A-A'-B) geschrieben. In den beiden ersten Teilen hat das Klavier trotz seiner kontrapunktischen Bassstimme eher begleitende Funktion. Der dritte Abschnitt (B) ist ein streng komponierter Doppelkanon, der in eine Coda, eine Wiederaufnahme aus dem A-Teil, und schliesslich in den Schluss führt. Das gemächliche Tempo und die grossen Intervalle geben diesem Werk seinen expressiven Gestus. Obwohl "Miroirs" als Duo komponiert wurde, gibt es in beiden Stimmen solistische Passagen. David Philip Hefti Künstlerbiographie David Philip Hefti (*1975), Komponist & Dirigent, Gewinner des George Enescu Wettbewerbes, absolvierte Studien der Musik in Komposition, Dirigieren, Klarinette und Kammermusik an den Musikhochschulen in Winterthur, Zürich und Karlsruhe. Zu seinen Professoren und Mentoren gehörten Wolfgang Rihm, Cristóbal Halffter, Wolfgang Meyer, Rudolf Kelterborn und Elmar Schmid. Er trat an den Festivals "Musica de Hoy" in Madrid, EuroArt in Prag, "Beijing Modern", "music today 21" in Tokyo und als "artist in residence" an der internationalen Musikbiennale von São Paulo auf. Konzerte verbinden ihn mit Solisten wie Fabio Di Càsola, Thomas Grossenbacher, Wolfgang Meyer, Sylvia Nopper, Primoz Novsak, Oliver Schnyder, Stefan Tönz und Dirigenten wie Jac van Steen, Krzysztof Penderecki, Miltos Logiadis, Cristóbal Halffter und Howard Griffiths. Heftis Schaffen bringt ihn zusammen mit Orchestern wie der Tokyo Sinfonietta, dem "Orchestra of Colours" Athen, den Augsburger Philharmonikern, dem Sinfonieorchester São Paulo, dem Ensemble Calliopée Paris, dem Collegium Novum Zürich. |